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CVA: Revolution oder Rückschritt? Was das neue Bewertungssystem der SCA für die Kaffeewelt bedeutet

In der Kaffeebranche sorgt das neue „Coffee Value Assessment“ (CVA) der Specialty Coffee Association (SCA) für viel Diskussionsstoff. Einige nennen es einen Meilenstein für mehr Objektivität und Inklusion. Andere sehen darin einen realitätsfernen Bürokratieakt, der kleine Farmer:innen und unabhängige Röstereien noch weiter vom Zentrum der Macht entfernt. Zeit für eine ehrliche Einordnung.

Was ist das CVA eigentlich?

Das CVA ist ein neues, mehrdimensionales Bewertungssystem für Spezialitätenkaffee. Im Gegensatz zur alten SCA-Score-Skala (z. B. 84, 87 oder 90 Punkte) geht es hier nicht mehr um eine einzige Zahl, sondern um eine detaillierte Beschreibung des Kaffees. Zwei Hauptachsen strukturieren das System:

  • Qualität (z. B. Balance, Klarheit, Textur)
  • Charakter (z. B. Aromenvielfalt, Intensität)

Statt Fehler zu suchen, geht es um sensorische Wirkung („impact“). Klingt modern, fair, wissenschaftlich. Ist es auch – zumindest auf dem Papier.

Wo liegt das Problem?

Während die Idee hinter dem CVA theoretisch Sinn macht, bringt die Umsetzung einige gravierende Probleme mit sich:

1. Komplexität über alles

Die Sheets sind aufwendig. Die Begrifflichkeiten neu. Viele Käufer:innen sind überfordert. Noch schlimmer: Viele Produzent:innen im Globalen Süden haben gar keinen Zugang zu Schulung oder Materialien.

2. Bildungslücke statt Brückenbau

Früher hat z. B. USAID Projekte wie Q-Grader-Schulungen gefördert. Unter der aktuellen US-Regierung fällt diese Unterstützung weg. Das bedeutet: Wer das neue System versteht, hat Macht. Wer nicht, bleibt außen vor. Genau die Schwächsten (Kleinfarmer:innen in Konfliktregionen) verlieren den Anschluss.

3. Fokus vorbei am Alltag

CVA beschäftigt sich mit Sensorik-Feinheiten. Klingt gut, löst aber keine realen Probleme wie instabile Preise, Preisdruck, Logistikkosten oder existenzbedrohende Margen. Viele fragen sich: „Für wen ist dieses System gemacht?“

4. Die SCA hört nicht zu

Die SCA definiert ihren Auftrag als global, inklusiv und gemeinschaftlich. Doch viele in der Branche fühlen sich nicht abgeholt. Während Produzent:innen mit Existenzangst kämpfen und Röstereien mit Einkaufspreisen jonglieren, präsentiert die SCA ein Modell, das vor allem in Schulungszentren und Konferenzsälen funktioniert.

Fazit: Gut gedacht, schlecht vermittelt

Das CVA will gerechter und differenzierter bewerten. Doch es droht, genau das Gegenteil zu bewirken: eine neue Mauer zwischen Nord und Süd, zwischen Theorie und Praxis, zwischen jenen, die Zugang haben – und jenen, die ausgeschlossen bleiben.

Wir brauchen kein System, das „neu und korrekt“ ist, sondern eines, das wirklich verstanden, angewendet und getragen wird. Von allen.

Kaffee ist mehr als Sensorik. Kaffee ist Beziehung, Vertrauen, Geschichte. Und Verantwortung. https://sca.coffee/value-assessment https://dailycoffeenews.com/2025/04/30/sca-advances-its-coffee-value-assessment-through-colombia-fnc-partnership/


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